Was Teneriffa mir beigebracht hat…

Das offene Meer, pralle Sonne und eine leichte Brise um die Nase. So stellen sich viele Menschen ihren Traumurlaub vor. Krebsrot oder Lederbraun besteigen sie den Flieger zurück in die Heimat um dann allen davon zu erzählen wie erholsam das Ganze doch gewesen sei und wie traurig es ist wieder im Alltag ankommen zu müssen, dann auch noch bei diesem schlechten Wetter.

Ich habe mich schon früher oft gefragt was die meisten Leute daran finden. Strandurlaub. 2 Wochen in der Hitze. 2 Wochen derselbe Strand. 2 Wochen All-In.

Der Sommer war noch nie ein wirklicher Freund für mich. Meine nordischen Gene haben daran möglicherweise schuld. Mein Leitspruch: „Alles über 27 Grad ist unerträglich“. Vor allem in der Stadt.

Mittlerweile habe ich begriffen, dass es ganz auf den Ort ankommt den man besucht. Es muss kein „Faulenzer Urlaub“ sein, aber mit den Jahren kam eine Neugierde. Die Frage ob ich etwas verpasst hätte. Geschmäcker ändern sich und ich selbst habe mich in den letzten Jahren permanent weiterentwickelt. Warum also nicht einen Versuch starten.

Gemacht, getan. 7 Tage Teneriffa sollten es sein.
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Die Anfahrt zum Airbnb (das ziemlich traumhaft war) gestaltete sich schon als die reinste Achterbahnfahrt der Gefühle, denn womit habe ich nicht gerechnet: Offensichtlich habe ich eine beträchtliche Angst vor Höhen. Oder Tiefen, wie man es nimmt. Die unzähligen, engen Kurven, das Vulkan Gebirge hinauf und hinab, haben mich fast wahnsinnig vor Angst gemacht und diese hielt auch die gesamte Zeit an. Nichts mit Gewohnheit, ich stürzte offensichtlich gedanklich in jede Schlucht an der wir entlang fuhren.

Die Insel an sich ist objektiv betrachtet sehr schön. Objektiv. Aber ich bin ich und ich habe wohl die Entwicklung meines Geschmacks etwas zu sehr überschätzt. Stetig sah ich mich damit konfrontiert an Orten zu stehen, eine Hand voll anderer Menschen um mich, die ohne Frage voller Glückseligkeit die Schönheit der Landschaft genossen. Sich voll hinein geben konnten. Und ich schulterzuckend daneben. Schön, ja. Aber es haut mich nicht um. Umwerfend, keine Frage. Aber innerlich regt sich nicht viel. Zwischenzeitlich war ich fest davon überzeugt, dass ich einfach ziemlich verkorkst bin und nicht ganz sauber ticke. An einem anderen Tag kam der Perspektiv-Wechsel: Jeder der so positiv reagiert und später davon mit strahlenden Augen berichtet lügt ganz schlicht und ergreifend. Weil es besser ankommt. Aber vielleicht ist es nicht nur schwarz, oder schwarz oder weiß.

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Nach einem sehr unglücklichen Unfall, bei dem ich mir dann auch noch den Fuß komplett lädierte, mit einer Ambulanz ins Krankenhaus musste und nur noch auf Krücken laufen konnte, standen diese Fragen natürlich erst einmal hinten an. Aber Gott, was habe ich diese Insel zeitweise verflucht.

Nachdem ich mit einem Metallgestell, das stark an Hannibal Lecters „Fortbewegungsmittel“ in „Das Schweigen der Lämmer“ erinnerte, von 2 freundlichen Service Mitarbeitern des Flughafens Schönefeld die Flugzeugtreppe hinunter getragen wurde und mein Fuß auf die Größe einer Wassermelone geschwollen war, wollte ich einen päpstlichen Kniefall vollziehen um die Erde unter mir zu küssen. Endlich wieder auf vertrautem Boden angekommen! Und kein Gebirge weit und breit!

So könnte ich mich nun in der retrospektive fragen: Was hat mir dieser Urlaub gebracht? Nur negatives? Verlorenes Geld? Auch Positives? Ein paar Momente zumindest?

Ich bin zu dem Schluss gekommen, dass ich neben sicherlich sowohl guten als auch schlechten Momenten wieder etwas gelernt habe. Ich kenne mich im Grunde schon recht genau. Ich wusste schon früh was ich mag, oder auch nicht mag. Wo es mich hinzieht und wohin nicht. So viel hat sich nicht geändert, an meinem Geschmack. Sicherlich kam auch Neues hinzu aber der Kern blieb. Nun könnte der ein oder andere sagen, dass das ziemlich langweilig ist. Das mag sein, sicherlich nicht jedermanns Ding. Aber nicht jeder Mensch tickt gleich und sich verbiegen und einreden Dinge zu mögen nur, weil sie viele andere gern haben, Trends nachlaufen, Hypes mitmachen-das war noch nie das Gesündeste. „Höher, schneller, weiter“ ebenfalls nicht.

Ich freue mich sogar ein wenig darüber, dass ich mir selbst so treu sein und die Dinge die ich dann liebe auch zu 100 Prozent genießen kann. Das ein oder andere Mal sollte ich mich dennoch rauswagen, denn letzten Endes ist Stillstand auch der Tod und ich möchte mein Leben noch weiterhin mit neuen Erfahrungen bereichern. Immer mal wieder auf zu neuen Ufern, aber auch mal akzeptieren können, dass die Alten dann doch durchaus das Potential haben können die Schönsten zu sein.

Was ich mit diesem Post eigentlich ausdrücken möchte ist: Das Leben ist nicht immer perfekt und selbst wenn es perfekt scheint, wie auf diesen Fotos hier heißt es nicht, dass man diese Vollkommenheit auch in sich trägt. Steht dazu Eure eigene Meinung, Eure eigenen Vorlieben zu haben, auch wenn Ihr Euch dann in einer Minderheit seht.

Mein nächster längerer Urlaub ist in meiner Fantasie ein Roadtrip durch Groß Britannien. Und auch wenn der ein oder andere sagen wird „typisch Christina“ weiß ich zumindest, dass es dieses Mal kein Pokerspiel wird.
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IMG_1676IMG_1683by Christina