Was „Plus Size“ für mich bedeutet

Der Plus Size Markt boomt, immer mehr Fashion Labels für große Größen sind auf dem Vormarsch, TV Sendungen zu dem Thema werden produziert.

Ich stehe vor dem Spiegel und frage mich: Plus Size-Was bedeutet das eigentlich? In einer Welt in der die Konfektion 40 als Übergröße gehandelt wird, in einer Gesellschaft die von Narzissmus geprägt ist und sich jede Frau schon einmal bei dem Gedanken „Bin ich zu dick?“ erwischt hat. „Dick“ wird oft mit dem Wort „hässlich“ im selben Atemzug genannt. Kein Wunder also, dass eine riesige Angst geschürt wird zu viel auf den Rippen zu haben.

Unter sämtlichen Posts zum Thema Adipositas entfacht schnell eine angeregte und oft leidenschaftlich hasserfüllte Diskussion darum was falsch gemacht wird. Warum Übergewichtige etwas ändern müssen aber offensichtlich zu faul dafür sind. Die Fraktion Empathie meldet sich mit Rechtfertigungen die inhaltlich in Richtung Schilddrüsenunterfunktion und Medikamenten Einnahme gehen.

Ich sitze davor und frage mich: Woher kommt diese Leidenschaft?  Warum wird ausgerechnet diesem Thema so viel Bedeutung, so eine Emotionalität beigemessen. Kaum ein anderer sogenannter „Makel“ wird vor allen Dingen so öffentlich und schamlos besprochen. Eine Offenheit die fast schmerzt, denn wenn wir also schon so oberflächlich gepolt sind frage ich mich warum ausgerechnet diese hervorstechende „Abweichung“ vom Schönheitsideal immer wieder thematisiert wird. Längst nicht nur in der Kleinstadt wird über die 5 Kilo getratscht die die Nachbarin wieder zugelegt hat. Nicht nur hier wird über die Hochzeit einer Bekannten unter der Prämisse lamentiert, dass er sie ja schon kannte „da war sie noch ordentlich mehr“.

Ich sitze in einem Café und frage mich wie es wohl ankommen würde, wenn ich meiner Begleitung gegenüber erwähnen würde, dass ich lediglich Männer mit vollem Haar anziehend finde. Meine Begleitung trägt eine Glatze.

Ich sitze in einer Bar und frage mich wie es wohl ankommen würde, wenn ich meiner Begleitung gegenüber erwähnen würde, dass Männer nur auf große Brüste stehen. Meine Begleitung hat Körbchengröße A.

Und dann gibt es da noch die andere Seite. Eine über die es schwierig ist zu schreiben. Die Männer und Frauen die sich tatsächlich den Leitspruch „Selbstliebe rechtfertigt alles“ eingerahmt über ihr Bett gehängt haben müssen. Sich anzunehmen, sich selbst zu lieben aus einer tiefen, inneren Ruhe-Das ist das höchste Ziel. Eine Hysterie in der sich rechtfertigenden Stimme während man erklärt, dass man ja schon immer so war und sich deswegen auch noch die 2 Liter Cola oder die 5er Packung Mars am Tag gönnen darf, finde ich nicht sonderlich überzeugend.

Zu einem erfüllten, glücklichen Leben gehört Gesundheit unumgänglich dazu. Und Gesundheit bedeutet am Ende des Tages eine ausgewogene Ernährung und Sport. Nicht um das Fitnessgoal 8Pack zu erreichen, sondern um sich in seinem Körper zu spüren. In seiner Mitte zu sein, seinem Körper dafür zu danken, dass er funktioniert.

Ich kann nur zu einer Entscheidung kommen.

Ich möchte weder in Schubladen, noch in Boxen denken. Ich möchte einen Menschen nicht nach „Makeln“ bemessen, die einem Zeitgeist entsprechen, eine kapitalistische Gesellschaft bereichern. Ich möchte meinen Gegenüber Gerechtigkeit und Empathie erfahren lassen, egal wie ich persönlich zu ihm stehe. Und genau so möchte ich auch behandelt werden.

Einen Blogpost über dieses Thema zu verfassen ist für mich fast schon zu viel Aufmerksamkeit auf einen Schwerpunkt (wie passend) zu legen, der letzten Endes ein kleiner Teil des großen Ganzen ist. So beschließe ich: Dieser Blog wird gefüllt mit vielen verschiedenen Facetten von mir. Einer davon ist Plus Size, eine meiner Ecken und Kanten. Ein Vor- und auch ein Nachteil in unterschiedlichsten Situationen.

Komplimente und Zweifel, Hand in Hand.

 

by Christina
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