Kolumne: Als Kind hatte ich Träume

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Als Kind hatte ich Träume.

Alle möglichen Varianten spielte ich durch, es gab keine Grenzen, keine Regeln die zu befolgen waren und vor allem gab es keine Angst.

Ich brauchte keine Angst zu haben, wovor denn auch? Mein ganzes Leben lag vor mir und wichtige Entscheidungen musste ich erst in einigen Jahren treffen.

Träume hatten den Charme der Konsequenzlosigkeit in meinem Kopf. Je älter ich aber wurde, desto mehr verwandelten sie sich in Ideale.

Ideale davon wie ich mein Leben führen wollte, welchen Beruf ich ergreifen, welchen Partner ich haben würde. Aus einem verträumten Suchen wurde somit ein hartnäckiges Streben mein Leben in die Bahnen zu lenken, in denen es meiner Meinung nach verlaufen sollte.

So schlich sich auch anstelle der Leichtigkeit, die ich als Kind noch besessen hatte, der penetrante Drang den Traum, das Ideal bis ganz zum Ende durchzuspinnen.

Und systematisch ging es ans Aussortieren:

Dieser Traum passt nicht in mein Lebensmodell, denn er würde sich nie erfüllen-Warum unnötig Zeit verschwenden?

Dieser Traumjob wäre toll, aber die nötigen Voraussetzungen fehlen mir-zu anstrengend! Weg damit!

Dieser Traum vom perfekten Partner. Der großen romantischen Komödie die mein Leben sein sollte. Dieser Jemand existiert nicht. Niemand ist perfekt, also suche erst gar nicht danach.

Endete der Traum der Realität entsprechend unangenehm, war es an mir ihn zu verwerfen. Ich will ja schließlich auch etwas erreichen in meinem Leben.

Also frage ich mich nun:

Beschneide ich mein Potenzial?

Beschütze ich mich und handle verantwortungsvoll mir gegenüber?

In wie weit ist es mit wichtiger Anderen etwas recht zu machen als mir selbst?

Ich bin nun 26 und habe fast schon verlernt zu träumen.

Zu oft wurde ich verletzt, zu oft habe ich erlebt, dass die Welt eine andere ist als die, die ich mir als Kind gewünscht habe.

Und dabei stieß mir vor allem auf:

Warum, wenn schon nicht in der Realität nur in Maßen geduldet oder umsetzbar, warum verbiete ich mir sogar den kleinsten Ansatz eines positiv gesponnen Bildes?

Ich vermisse die Leichtigkeit und zumindest in meinem Kopf möchte ich sie mir wieder holen. Rational bin ich in meinem Leben schon genug!

Ich stelle mir also eine Aufgabe:

Einmal wieder richtig träumen, ohne nur einen Gedanken daran zu verschwenden wie die Realität aussieht.

Und das ist, wie mir auffällt, gar nicht mehr so einfach.

Erschreckend was so alles zum „erwachsen werden“ dazu gehört.

Aber wenn es doch nur mein Kopf ist, der mir dieses Verbot auferlegt finde ich sicher einen Weg ihn auszutricksen. Und zumindest daran habe ich wieder Spaß wie ein kleines Kind.

 

by Christina