Karrieredruck-Wie entscheide ich wohin?

Manchmal habe ich den Eindruck, dass die Berufswahl ein wenig nach dem “Geld oder Liebe” Prinzip funktioniert.

Wer erinnert sich noch an die gute, alte TV Sendung in der Singles vorgestellt wurden die gemeinsam lustige Aufgaben bestehen mussten um sich am Ende der Show zu entscheiden, ob es gefunkt hat oder nicht? Da gab es kein „drum herum Gerede“ und auch keine Kompromisse. Das Schild, dass es in die Höhe zu halten galt zeigte ganz klar an: Entscheide ich mich für die Liebe und gebe dem mir zugewiesenen Traumpartner eine Chance oder bekomme ich lieber ein wenig Kohle. Da stellte sich oft die Frage was von beidem nun der Trostpreis sei.

Würde es in einer solchen Sendung um die eine oder andere Karriereleiter gehen, so hieße sie vermutlich “finanzielle Sicherheit oder Spaß an der Arbeit”. Klingt nicht so witzig und ist es in der Realität auch nicht.

Wenn ich mich in der arbeitenden Bevölkerung umsehe so habe ich im seltensten Fall mal jemanden kennen gelernt, der sowohl ein sicheres und ausreichendes Einkommen hat als auch eine große Liebe für seine Arbeit hegt. Diesen Luxus haben die Wenigsten. 

Verstärkt wird dieser Eindruck natürlich vor allem durch meine enge Bindung zur Künstler Szene. “Brotlose Kunst” das hört man meist von Leuten mit 9 to 5 Jobs. Für unsereins ist es wohl eher der Kompromiss den man eingeht dafür, dass man seinen Beruf mit Leidenschaft und Hingabe machen darf. Sich auf Jobs freuen kann, statt Bauchschmerzen vor dem neuen Tag im Büro zu bekommen. (Vom Lampenfieber mal abgesehen)

Dieses Szenario sollte man durchspielen bevor man sich für das Eine oder Andere entscheidet. Abstriche zu machen gehört überall dazu und vor allem zum erwachsen werden, doch ist es immer noch besser dem Ganzen vorbereitet entgegen zu treten, als ins kalte Wasser geschubst zu werden.

Ich habe oft Bewunderung (nicht zu verwechseln mit einem Verständnis für meine Berufswahl) dafür ernten dürfen, dass ich schon sehr früh wusste in welche Richtung es für mich gehen sollte. Ich hatte den Selbstfindungsprozess bis hin zur Entscheidung, dass ich Schauspielerin werden wollte schon sehr früh durchlebt, was nicht heißt, dass ich es auch immer leichter hatte.

Doch Gott sei Dank hat man in der Berufswelt dann doch mehr Optionen als bei “Geld oder Liebe”

Im Grunde geht es darum sich auszuprobieren, seine Interessen und Fähigkeiten auszuloten. Das kann ein mehr oder weniger langer Weg sein. Macht Praktika, lest euch in die Materie ein, sprecht mit berufserfahrenen Leuten über den Alltag, den es zu bestehen gilt. Und lasst euch in dieser Selbstfindung keinen Druck machen.

Wenn ich meine Schulzeit am Gymnasium in der Retrospektive betrachte, fallen mir nun, da ich diesem System entwachsen bin, diverse Schwachstellen auf. “Schwachstellen” unter der Voraussetzung, dass es nicht das höchste Ziel ist eine Armee von ausgezeichnet ausgebildeten Naturwissenschaftlern heran zu züchten während die Geisteswissenschaft als Minderheit belächelt wird.

Das bedeutete in mehr als einer Situation: Zähne zusammen beißen und sich durchkämpfen. Den Tag herbei sehnen an dem ich selber entscheiden darf was Priorität hat.

Denn wer sonst außer mir selbst hat das Recht diese Entscheidung zu treffen? Sicherlich nicht meine Lehrer, die immer wieder gern vor der Jahrgangsstufe betonten: “Ohne Abitur bringst du es zu nichts”. Vergesst diesen Satz! Streicht ihn aus eurem Gedächtnis! Und vor allem macht ihn euch nicht zum Glaubenssatz. Auch eine Autoritätsperson hat den heiligen Gral noch lange nicht gefunden.

Eine gute Bildung ist wichtig und öffnet sicherlich Türen, doch kann sie letzten Endes viele verschiedene Formen annehmen und setzt nicht den klassischen, akademischen Weg voraus.

Vielleicht müsst Ihr studieren um in eurem Traumjob arbeiten zu können, vielleicht aber auch nicht. Das Eine muss nicht besser als das Andere sein.

Ihr müsst keinem gesellschaftlichen oder familiären Anspruch genügen, der Euch nicht unterstützend zur Seite stehen wird, während ihr einen Großteil eurer kostbaren Lebenszeit am Arbeitsplatz verbringen werdet.

Und auch wenn Ihr gerade die Weichen für euer zukünftiges Leben stellt, all diese Entscheidungen treffen und Gedanken sortieren müsst, so ist es dabei doch immer gut zu wissen, dass Ihr jederzeit das Recht habt eure Meinung zu ändern, einen anderen Weg einzuschlagen, euch neu zu orientieren. Ob mit Mitte zwanzig oder fünfzig: Wo ein Wille ist, ist auch ein Weg.